Haltung & Biosicherheit Grundlagen 4 Min. Lesezeit

Grundlagen der Biosicherheit im Geflügel- und Rinderstall

Biosicherheit ist die Gesamtheit der Maßnahmen, die Erreger vom Betrieb fernhalten und ihre Ausbreitung im Inneren verhindern. Dieser Beitrag behandelt Zonierung, Verkehrsführung, Leerstandszeit und die Disziplin des Personals.

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Grundlagen der Biosicherheit im Geflügel- und Rinderstall KI-generierte Illustration

Dieser Inhalt dient ausschließlich der Aus- und Weiterbildung sowie der Information. Er ist keine Diagnose, keine Behandlung und keine Dosierungsempfehlung und ersetzt nicht die Untersuchung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Für Behandlungsentscheidungen wenden Sie sich an Ihre Tierärztin bzw. Ihren Tierarzt und die zugelassene Produktkennzeichnung.

Biosicherheit ist die Gesamtheit der Maßnahmen, die verhindern, dass Krankheitserreger in einen Betrieb hineingelangen und sich dort, einmal angekommen, ausbreiten. Sie erfordert kaum teure Ausrüstung; sie ist weitgehend eine Frage von Anordnung, Disziplin und Konsequenz.

Ihr Wert entspringt einer unbequemen Eigenschaft: Biosicherheit verhindert Krankheiten, die dann nie auftreten. Ihre Wirkung ist deshalb naturgemäß unsichtbar — aber jeder Fall, der nicht behandelt werden muss, ist ein gewonnener Fall. Weil sie den Antibiotikabedarf senkt, ist sie zugleich eines der wirksamsten Instrumente, um Resistenzen zu verlangsamen (Was ist antimikrobielle Resistenz?).

1. Zonierung: reine und unreine Bereiche

Die Grundlage der Biosicherheit ist die gedankliche und bauliche Teilung des Betriebs in eine unreine und eine reine Zone.

Die unreine Zone ist alles, was mit der Außenwelt in Kontakt steht: die Straße, der Parkplatz, die Stelle, an der der Futterwagen anfährt, der Sammelplatz für verendete Tiere. Die reine Zone ist der Bereich, in dem sich die Tiere befinden.

Dazwischen muss es einen klaren, physisch erkennbaren Übergangspunkt geben — meist eine Bank, eine Linie oder eine Schwelle. Dort werden Schuhe und Overall gewechselt: Die Person setzt sich auf die eine Seite, zieht die Stiefel aus, dreht sich auf die andere Seite und zieht saubere Stiefel an. Dieses einfache Prinzip des Hinsetzens und Herüberdrehens ist der praktischste Weg, die Übertragung durch den Fußverkehr zu unterbinden.

Wenn nicht jede Person auf dem Betrieb sagen kann, wo die Grenze verläuft, gibt es keine Zonierung.

2. Verkehrsführung: eine Richtung

Bewegungen im Betrieb sollten von rein nach unrein geplant werden — niemals umgekehrt.

In der Praxis bedeutet das:

  • Zuerst die jungen Tiere besuchen, danach die älteren.
  • Zuerst die gesunden Gruppen; kranke oder verdächtige Gruppen zuletzt.
  • Nach dem Betreten eines Stalles nicht zurückgehen; ist es unvermeidlich, werden Kleidung und Schuhe gewechselt.

Dasselbe Prinzip gilt für Gerätschaften. Schaufeln, Karren, Eimer und vor allem alles, was bei der Handhabung verendeter Tiere benutzt wird, sollten nicht zwischen Gruppen geteilt werden. Ist eine gemeinsame Nutzung unvermeidlich, müssen Reinigung und Desinfektion dazwischen liegen.

3. Disziplin von Personal und Besuchern

Menschen sind der häufigste Weg, auf dem Erreger in einen Betrieb gelangen.

  • Führen Sie ein Besucherbuch: wer, wann, und auf welchem Betrieb die Person zuletzt war.
  • Wenden Sie eine Karenzregel an: Es ist gängige Praxis, eine bestimmte Frist zu verlangen, bevor jemand, der auf einem anderen Tierhaltungsbetrieb war, den eigenen Betrieb betreten darf.
  • Stellen Sie Kleidung und Stiefel im Betrieb bereit. Ein Besucher, der in seinen eigenen Stiefeln kommt, ist ein Risiko — auch wenn diese Stiefel sauber aussehen.
  • Händehygiene, besonders beim Wechsel zwischen Gruppen.
  • Auch die Tiere Ihrer eigenen Mitarbeitenden zu Hause sind ein Risiko; Personal, das selbst Geflügel hält, sollte dies angeben.

4. Bekämpfung von Nagern, Wildvögeln und Insekten

Nager tragen viele Erreger, allen voran Salmonella, und sie haben es auf Futterlager abgesehen. Wildvögel sind ein bedeutender Eintragsweg, auch für die aviäre Influenza.

Praktische Maßnahmen: verschüttetes Futter sofort beseitigen, Futterlager geschlossen halten, den Bewuchs rund um die Gebäude kurz halten, Fenster und Lüftungsöffnungen vergittern, ein regelmäßiges Nagerbekämpfungsprogramm betreiben und Wildvögeln den Zugang zu den Futtereinrichtungen verwehren.

5. Reinigung, Desinfektion und Leerstandszeit

Die Reinigung zwischen zwei Durchgängen besteht aus drei Schritten, und ihre Reihenfolge ist entscheidend:

  1. Mechanische Reinigung. Organisches Material wird entfernt. Wird dieser Schritt übersprungen, wirkt das Desinfektionsmittel nicht — die meisten Desinfektionsmittel werden durch organisches Material inaktiviert.
  2. Waschen und Trocknen.
  3. Desinfektion. Wählen Sie ein Produkt, das zum Zielerreger passt, und halten Sie die auf dem Etikett angegebene Einwirkzeit ein. Entscheidend ist die richtige Einwirkzeit, nicht eine höhere Menge.

Danach folgt die Leerstandszeit (Servicezeit). Dieses Intervall lässt die verbliebene Erregerlast auf natürlichem Weg absinken und ist bei vielen Erregern der einzelne wirksamste Schritt. Sie zu verkürzen gibt wieder her, was die Reinigung gebracht hat.

Die Reinigung der Tränkelinie wird häufig übersprungen — dabei beherbergt Biofilm nicht nur Erreger, sondern kann auch Lebendimpfstoffe unwirksam machen. Dazu finden Sie mehr in unserem Beitrag Hygiene der Trinkwasserleitung und Biofilm.

6. Tierzukauf und Herkunftsmanagement

Beziehen Sie Tiere nach Möglichkeit aus einer einzigen Quelle. Gruppen aus unterschiedlichen Quellen bringen ihre eigene Erregerflora und unterschiedliche Immunvorgeschichten mit.

Nutzen Sie für Neuzugänge einen getrennten Eingewöhnungs- oder Quarantänebereich und besuchen Sie diesen zuletzt. Das Rein-Raus-Verfahren (all-in/all-out) ist die stärkste bauliche Maßnahme zur Unterbrechung von Erregerzyklen, weil es das Nebeneinander verschiedener Altersgruppen verhindert.

Womit fängt man an?

Das Schwierigste an der Biosicherheit ist, dass sie nie eine einmalige Aufgabe ist. Ein kurzes schriftliches Protokoll, eine sichtbare Zonengrenze am Eingang und ein Besucherbuch, das tatsächlich geführt wird, sind auf den meisten Betrieben die drei Schritte mit der größten Wirkung.

Erstellen Sie einen auf Ihren Betrieb zugeschnittenen Biosicherheitsplan gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt, die Ihren Betrieb betreuen.

Quellen

Nur zu Bildungszwecken — keine Diagnose, Behandlung oder Dosierungsempfehlung.

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