Wie entsteht ein Ei? 24 Stunden im Eileiter
Ein Ei entsteht in rund 24 Stunden — vom Austritt des Dotters aus dem Eierstock bis zur fertigen Schale. Dieser Beitrag geht die fünf Abschnitte des Eileiters der Reihe nach durch und zeigt, wie lange das Ei in jedem von ihnen verweilt.
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Dieser Inhalt dient ausschließlich der Aus- und Weiterbildung sowie der Information. Er ist keine Diagnose, keine Behandlung und keine Dosierungsempfehlung und ersetzt nicht die Untersuchung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Für Behandlungsentscheidungen wenden Sie sich an Ihre Tierärztin bzw. Ihren Tierarzt und die zugelassene Produktkennzeichnung.
Bei der Henne entsteht das Ei am Ende einer rund 24-stündigen Reise, die mit dem Austritt des Dotters aus dem Eierstock beginnt und mit der fertigen Schale endet. Zu wissen, wie lange die einzelnen Etappen dauern, macht es sehr viel leichter einzuordnen, zu welcher Phase ein Problem der Schalen- oder der Innenqualität gehören könnte.
Der Eierstock: Reifung des Dotters
Beim weiblichen Vogel ist nur der linke Eierstock funktionsfähig. Beim Schlupf enthält der Eierstock des Kükens Tausende von Primordialfollikeln; nur ein sehr kleiner Teil davon reift jemals zu einem Dotter heran.
Im reifenden Follikel wird der Dotter über mehrere Tage schichtweise abgelagert. Beim Eisprung (Ovulation) reißt der Follikel, und der Dotter wird in die Mündung des Eileiters entlassen. Diese schichtweise Ablagerung ist auch der Grund für die konzentrischen Ringe, die beim Durchschneiden eines hart gekochten Dotters sichtbar werden.
Infundibulum (Trichter): Auffangen und Befruchtung
Der Dotter fällt zunächst in das trichterförmige Infundibulum (Trichter). Hier verweilt er etwa 15–30 Minuten.
Das Infundibulum erfüllt zwei Aufgaben: Es fängt den ovulierten Dotter auf, bevor dieser in die Bauchhöhle entweichen kann, und es ist der Ort der Befruchtung. In Elterntierherden trifft das Sperma in diesem Abschnitt auf den Dotter. In Legeherden gibt es keinen Hahn, sodass keine Befruchtung stattfindet — der übrige Ablauf ist derselbe.
Magnum: Bildung des Eiklars
Der Dotter gelangt in das Magnum, den längsten Abschnitt des Eileiters, und bleibt dort etwa 3 Stunden.
Die Drüsen des Magnums bilden das Eiklar (Albumen). Der größte Teil des Eiproteins wird in dieser Phase hinzugefügt. Weil sich der Dotter auf seinem Weg dreht, wird das Eiklar an beiden Enden zu zwei gedrehten Strängen geformt, den Chalazen; sie halten den Dotter in der Mitte des Eies in der Schwebe.
Isthmus: die Schalenhäute
Die nächste Station ist der Isthmus; hier beträgt die Verweildauer etwa 75 Minuten.
Im Isthmus entstehen die beiden Schalenhäute um das Ei, und das Ei beginnt, seine endgültige Form anzunehmen. Kühlt das Ei später ab, trennen sich die beiden Häute am stumpfen Pol voneinander und es entsteht die Luftkammer.
Uterus (Schalendrüse): Schale und Farbe
Die mit Abstand längste Phase ist der Uterus (Schalendrüse). Das Ei bleibt hier etwa 20 Stunden — also den größten Teil des gesamten Zyklus.
Dabei geschehen zwei Dinge. Zuerst treten Wasser und Mineralstoffe durch die Häute, sodass das Eiklar sein endgültiges Volumen erreicht. Danach entsteht die Schale, indem sich Calciumcarbonatkristalle auf der äußeren Haut ablagern. Auch die Schalenfarbe wird hier, gegen Ende der Phase, aufgetragen; deshalb bleibt die Innenseite der Schale bei braunen Eiern weiß.
Die Schalenbildung ist der Zeitraum des höchsten Calciumbedarfs der Henne. Das Calcium stammt sowohl aus dem Futter als auch aus dem medullären Knochen des Skeletts. Da der größte Teil der Schale nachts gebildet wird, also in den Stunden ohne Futteraufnahme, ist es für die Schalenqualität wichtig, dass dem Bestand über Nacht eine Calciumquelle zugänglich bleibt.
Vagina und Eiablage
Der letzte Abschnitt, die Vagina, ist ein kurzer Kanal, den das Ei nur rasch durchläuft. Hier wird über die Schale eine dünne Proteinschicht gelegt, die Kutikula. Sie verschließt die Schalenporen und erschwert das Eindringen von Bakterien — sie ist die erste natürliche Abwehr des Eies. Waschen und kräftiges Bürsten können diese Schicht beschädigen.
Nach der Eiablage folgt der nächste Eisprung meist innerhalb von 30–60 Minuten, und der Zyklus beginnt von Neuem. Da der Gesamtzyklus etwas länger als 24 Stunden dauert, verschiebt sich der Legezeitpunkt von Tag zu Tag etwas nach hinten; ab einem bestimmten Punkt setzt die Henne einen Tag aus, und der Zyklus verlagert sich wieder in den Morgen. Das ist der Ursprung der Legesequenz, die im Feld als „Clutch” bezeichnet wird.
Der Ablauf im Überblick
| Abschnitt | Dauer | Was hinzukommt |
|---|---|---|
| Infundibulum | 15–30 Minuten | (Ort der Befruchtung) |
| Magnum | ~3 Stunden | Eiklar, Chalazen |
| Isthmus | ~75 Minuten | Schalenhäute |
| Uterus | ~20 Stunden | Wasser, Mineralstoffe, Schale, Farbe |
| Vagina | Minuten | Kutikula |
Was bedeutet das im Feld?
Diese Zeitangaben erleichtern die Überlegung, zu welcher Phase ein Problem gehört. Eine Störung des Eiklars weist auf das Magnum hin, ein Fehler an der Schalenoberfläche auf den Uterus. Zu wissen, dass der größte Teil der Schale nachts geformt wird, hilft ebenso bei der Beurteilung von Beleuchtungs- und Fütterungsprogrammen.
Wenn Sie in Ihrem Bestand ein Problem mit der Schalenqualität oder der Legeleistung beobachten, gehen Sie die Beurteilung gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt an, die diesen Bestand kennen.
Quellen
- Etches R.J. — Reproduction in Poultry, CABI
- Whittow G.C. (ed.) — Sturkie's Avian Physiology, Academic Press
Nur zu Bildungszwecken — keine Diagnose, Behandlung oder Dosierungsempfehlung.