Atemwegserkrankungen beim Geflügel: Tabelle zur Differenzialdiagnose
Atemwegssymptome beim Geflügel können von vielen verschiedenen Erregern stammen. Dieser Beitrag vergleicht die wichtigsten — CRD (Mycoplasma), IB, ILT und ND — nach Ausbreitungsgeschwindigkeit, Verteilung im Bestand und Art der Läsionen.
Zuletzt aktualisiert:
Dieser Inhalt dient ausschließlich der Aus- und Weiterbildung sowie der Information. Er ist keine Diagnose, keine Behandlung und keine Dosierungsempfehlung und ersetzt nicht die Untersuchung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Für Behandlungsentscheidungen wenden Sie sich an Ihre Tierärztin bzw. Ihren Tierarzt und die zugelassene Produktkennzeichnung.
Husten, Rasselgeräusche, Nasenausfluss und Gesichtsödeme treten beim Geflügel bei vielen verschiedenen Erregern gemeinsam auf. Atemwegsbilder zu unterscheiden verlangt deshalb, über die Symptome hinaus auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit, die Verteilung im Bestand, die Mortalität und die Art der Läsionen zu schauen.
Die folgende Tabelle soll die erste Einschätzung im Feld leiten. Eine gesicherte Diagnose erfordert die Bestätigung im Labor.
Vergleichstabelle
| Merkmal | CRD (Mycoplasma gallisepticum) | Infektiöse Bronchitis (IB) | Infektiöse Laryngotracheitis (ILT) | Newcastle-Krankheit (ND) |
|---|---|---|---|---|
| Erreger | Bakterium (ohne Zellwand) | Coronavirus | Herpesvirus | Paramyxovirus |
| Ausbreitungsgeschwindigkeit | Langsam, schleichend | Sehr schnell | Mittel | Schnell |
| Mortalität | Niedrig, sofern unkompliziert | Niedrig bis mittel | Wechselnd, in der schweren Form hoch | Je nach Stamm sehr hoch möglich |
| Kennzeichnendes Merkmal | Sinusschwellung, protrahierter Verlauf | Verlust der Eiqualität, Nierenform | Blutiger Schleim, Atmen mit offenem Schnabel | Nervale und enterale Symptome |
| Vertikale Übertragung | Ja | Nein | Nein | Nein |
| Anzeigepflichtig | Nein | Nein | Je nach Land | Ja |
Was die einzelnen Erreger unterscheidet
CRD — Mycoplasma gallisepticum. Mykoplasmen besitzen keine Zellwand; das erklärt, warum Antibiotika, die auf die Zellwand zielen, wirkungslos bleiben (Wie wirken Antibiotika?). Der Verlauf ist schleichend; die Ausbreitung im Bestand zieht sich über Wochen. Die wichtigste Eigenschaft ist die vertikale Übertragung — der Erreger kann vom Elterntier über das Ei auf das Küken übergehen, weshalb die Bekämpfung auf der Ebene der Elterntiere beginnen muss. Für sich allein ist die Mortalität niedrig, in Kombination mit E. coli entsteht jedoch ein schweres Bild.
Infektiöse Bronchitis (IB). Ein Coronavirus, das sich außerordentlich schnell ausbreitet; ein ganzer Bestand kann innerhalb weniger Tage betroffen sein. Neben den Atemwegssymptomen hat sie zwei wichtige Folgen: eine Verschlechterung von Schalen- und Innenqualität bei Legehennen (verformte, dünnschalige Eier, wässriges Eiklar) sowie bei manchen Stämmen eine Beteiligung der Nieren. Bei sehr jungen Küken kann der bleibende Schaden am Eileiter später zum Bild der „falschen Legehenne” führen.
Infektiöse Laryngotracheitis (ILT). Ein Herpesvirus. In der schweren Form sammelt sich blutiger Schleim in der Trachea; die Tiere strecken den Hals und atmen mit offenem Schnabel, beim Husten kann Blut versprüht werden. Da es sich um ein Herpesvirus handelt, können genesene Tiere latente Träger bleiben und den Erreger unter Stress erneut ausscheiden — das erklärt, warum die Krankheit auf einem Betrieb wiederkehrt.
Newcastle-Krankheit (ND). Je nach Stamm reicht das Bild von sehr mild bis verheerend. Ihr unterscheidendes Merkmal ist, dass zu den Atemwegssymptomen nervale Symptome (Halsverdrehung, Lähmungen, Gleichgewichtsverlust) und grünlicher Durchfall hinzutreten können. ND ist in vielen Ländern anzeigepflichtig: Bei Verdacht besteht die Pflicht zur Meldung an die zuständige Behörde. Diese Pflicht unterscheidet sich von Land zu Land; Sie müssen die für Sie geltenden Vorschriften kennen.
Fragen, die bei der Einschätzung helfen
Im Feld grenzen diese Fragen die Differenzialdiagnose auf den ersten Blick deutlich ein:
- Wie schnell hat es sich ausgebreitet? Der ganze Bestand in ein bis zwei Tagen oder erst über Wochen? Eine schnelle Ausbreitung spricht für ein Virus, ein schleichender Verlauf für Mykoplasmen.
- Wie hoch ist die Mortalität? Hohe und plötzliche Verluste rücken schwere virale Bilder wie ND in den Vordergrund.
- Sind Legeleistung oder Eiqualität beeinträchtigt? Eines der typischsten Anzeichen für IB.
- Gibt es nervale Symptome? Wenn ja, ist ND vorrangig in Betracht zu ziehen.
- Wie sieht die Impfvorgeschichte des Bestandes aus? Ein unerwartetes Bild in einem geimpften Bestand legt auch ein Anwendungs- oder Zeitproblem nahe (Wie wirken Impfstoffe?).
Der gemeinsame Nenner: die Umgebung
Bei all diesen Erregern verschärfen die Umgebungsbedingungen das Bild. Ein hoher Ammoniakgehalt schädigt die Flimmerhärchen der Trachea unmittelbar und erleichtert die Ansiedlung des Erregers. Staub, hohe Besatzdichte und unzureichende Lüftung wirken in dieselbe Richtung. Die Beurteilung eines Atemwegsproblems muss deshalb immer auch die Überprüfung von Lüftung und Einstreumanagement einschließen.
Zeigt ein Bestand Atemwegssymptome, muss die Diagnose durch das Labor bestätigt werden. Gehen Sie die Beurteilung — und eine etwaige Meldepflicht — gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt an, die den Bestand kennen.
Quellen
- Swayne D.E. (ed.) — Diseases of Poultry, Wiley-Blackwell
- WOAH — Terrestrial Manual: Avian mycoplasmosis, Infectious bronchitis, Newcastle disease
Nur zu Bildungszwecken — keine Diagnose, Behandlung oder Dosierungsempfehlung.