Bakterielle Erkrankungen bei Kaltwasserfischen
Die häufigsten bakteriellen Erreger in der Forellen- und Karpfenzucht sind Aeromonas, Yersinia und Flavobacterium. Dieser Beitrag behandelt diese Erreger, ihren Bezug zur Wassertemperatur und warum Stress der entscheidende Faktor ist.
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Dieser Inhalt dient ausschließlich der Aus- und Weiterbildung sowie der Information. Er ist keine Diagnose, keine Behandlung und keine Dosierungsempfehlung und ersetzt nicht die Untersuchung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Für Behandlungsentscheidungen wenden Sie sich an Ihre Tierärztin bzw. Ihren Tierarzt und die zugelassene Produktkennzeichnung.
Dieser Beitrag behandelt bakterielle Erkrankungen der in gemäßigten Klimazonen gehaltenen Kalt- und Kühlwasserarten — vor allem Regenbogenforelle und Karpfenartige; Erkrankungen tropischer Arten bleiben außer Betracht.
Die drei Komponenten der Fischkrankheit
In der Aquakultur ist Krankheit noch enger an die Umwelt gebunden als bei landlebenden Arten. Entscheidend ist das Zusammentreffen dreier Größen: Erreger, Wirt und Wasserqualität.
Die meisten Bakterien, die als Fischpathogene gelten, sind im Wasser und auf der Fischoberfläche ohnehin vorhanden — es sind überwiegend opportunistische Erreger. Krankheit tritt auf, wenn die Widerstandskraft des Fisches sinkt. Die wichtigsten Faktoren, die sie senken, sind:
- Plötzliche Änderungen der Wassertemperatur — Fische sind wechselwarm; ihre Immunantwort ist temperaturabhängig.
- Niedriger Sauerstoffgehalt.
- Hohe Ammoniak- und Nitritwerte — meist die Folge von Überfütterung oder unzureichendem Wasseraustausch.
- Hohe Besatzdichte.
- Handling und Transport — eine Schädigung der Schleimschicht öffnet die erste Verteidigungslinie.
Deshalb sind bei Fischkrankheiten fast immer die Aufzeichnungen zur Wasserqualität der erste Ort, an dem man nachsieht.
Die wichtigsten Erreger
Aeromonas-Arten
Aeromonas hydrophila und A. salmonicida gehören zu den häufigsten bakteriellen Erregern.
A. hydrophila ist ein typischer Opportunist; er kommt im Süßwasser weit verbreitet vor und erzeugt bei gestressten Fischen ein Bild mit oberflächlichen Blutungen, Hautläsionen und aufgetriebenem Bauch. Bei steigender Temperatur tritt er häufiger auf.
A. salmonicida ist dagegen der Erreger der Furunkulose und verursacht bei Salmoniden eine spezifischere Erkrankung. Ihren Namen verdankt sie den abszessähnlichen Herden, die sich im Muskelgewebe bilden und nach außen durchbrechen können. Trägerfische können den Erreger ohne Symptome beherbergen; das erklärt, warum die Herkunft der zugekauften Fische so wichtig ist.
Yersinia ruckeri — Rotmaulseuche (ERM)
Ihren Namen verdankt sie den Blutungen an Maul und Rachen; dieses Zeichen ist jedoch nicht in jedem Fall vorhanden. Hervortreten der Augen (Exophthalmus), Blutungen im Bereich der Augen und dunkler verfärbte Haut sind weitere Befunde.
Die Rotmaulseuche gehört zu den klassischen Problemen der Forellenzucht. Der Erreger kann bei genesenen Fischen eine Trägerschaft ausbilden und in Stressphasen erneut auftreten. In vielen Ländern stehen Impfstoffe gegen diese Krankheit zur Verfügung und werden in der Zucht breit eingesetzt.
Flavobacterium-Arten
Diese Gruppe fällt dadurch auf, dass sie je nach Temperatur unterschiedliche Bilder erzeugt.
Flavobacterium psychrophilum wirkt bei niedrigen Wassertemperaturen und betrifft besonders junge Fische; er verursacht Erosionen an Schwanz und Flossen sowie Hautläsionen. Im Brutstadium kann er erhebliche Verluste verursachen.
Flavobacterium columnare tritt dagegen bei höheren Temperaturen in den Vordergrund. Er erzeugt gelblich-weiße, flache Läsionen auf Haut und Kiemen; sind die Kiemen beteiligt, verläuft die Erkrankung rasch.
Dass beide gegensätzliche Temperaturvorlieben haben, gibt einen nützlichen Hinweis darauf, welcher Erreger beim Wechsel der Jahreszeiten zu erwarten ist.
Früh erkennen
Krankheitszeichen werden beim Fisch später bemerkt als bei landlebenden Tieren. Die wichtigsten Anzeichen, auf die zu achten ist:
- Rückgang der Futteraufnahme — meist das früheste und zuverlässigste Zeichen.
- Verhaltensänderung — Stehen nahe der Oberfläche, Ansammeln am Beckenrand, gestörtes Schwimmverhalten.
- Äußeres Erscheinungsbild — dunkler werdende Haut, Läsionen, Flossenerosion, Exophthalmus.
- Anstieg der täglichen Verluste — ohne konsequente Aufzeichnungen schwer zu bemerken.
Tägliche Aufzeichnungen zu Futteraufnahme und Verlusten sind das praktischste Frühwarninstrument der Aquakultur.
Vorbeugung
Management der Wasserqualität. Die regelmäßige Überwachung von Sauerstoff, Temperatur, Ammoniak und Nitrit ist die Grundlage der Krankheitskontrolle.
Besatzdichte und Fütterung. Überbesatz erhöht den Stress, Überfütterung die organische Belastung; beides schlägt unmittelbar in Krankheitsrisiko um.
Handling verringern. Sortieren und Transportieren schädigen die Schleimschicht. Führen Sie diese Arbeiten nur durch, wenn sie nötig sind, und geben Sie den Fischen Zeit zur Erholung.
Biosicherheit. Die Herkunft neuer Fische, eine Quarantänepraxis und der Verzicht auf gemeinsam genutzte Gerätschaften zwischen den Becken begrenzen den Erregereintrag.
Impfung. Für einige Erreger — darunter die Rotmaulseuche und die Furunkulose — stehen Impfstoffe zur Verfügung, die auf vielen Betrieben Teil der Routine sind. Die Eignung unterscheidet sich je nach Art und Land.
Für die Diagnose müssen Proben von betroffenen Fischen genommen und im Labor untersucht werden. Die Anforderungen an Zulassung und Wartezeit für Arzneimittel in der Aquakultur unterscheiden sich von Land zu Land deutlich; planen Sie die Anwendung gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt, die den Betrieb kennen, und im Rahmen der örtlichen Vorschriften.
Quellen
- Woo P.T.K., Bruno D.W. — Fish Diseases and Disorders, CABI
- Austin B., Austin D.A. — Bacterial Fish Pathogens, Springer
- WOAH — Aquatic Animal Health Code
Nur zu Bildungszwecken — keine Diagnose, Behandlung oder Dosierungsempfehlung.